Science Sunday – Spass mit Hefe und Gel

Ich bin ja immer wieder fasziniert, was man mit weißer Gentechnik machen kann. Hierbei werden Mikro-Organismen wie Hefe oder Bakterien genetisch so verändert, so dass sie zum Beispiel einen bestimmten Stoff im Übermass produzieren.

Das können zum Beispiel pharmakologische Wirkstoffe sein, Vitamine oder auch Rohstoffe für veganes Leder:

PROTEIN ENGINEERING YIELDS ANIMAL-FREE LEATHER

Dieses Leder nennt sich Zoa und die Firma dahinter ist Modern Meadow, die eigentlich mit ihrem 240 k $ Burger bekannt geworden sind:

Quelle 1, Quelle 2, Quelle 3

Ist auf jeden Fall sehr spannend, da der Trick hier eigentlich nicht ist nur den Rohstoff (die Proteine im Fall von Leder und Muskelzellen im Falle des Burgers) zu haben, sondern den dann naturgetreu zu verarbeiten. Also im Prinzip die Hautstruktur oder das Muskelgewebe nachzubilden. Leider gibt es zu dem eigentlichen Herstellungsprozess keine Veröffentlichungen, soweit ich das gerade sehe (vermutlich proprietär), aber von Mark J Post gibt es einige Veröffentlichungen zu dem Thema (1, 2).

Ein anderer großer Themenkomplex ist ja das Streamlining des Fermentationsprozesses. Denn z.T. können die Produkte für den veränderten Mikroorganismus schädlich sein, bei der alkoholischen Gärung ist das ja auch der Fall. Auch hier produziert die Hefe nur so viel sie selber auch ertragen kann. Und je nach dem möchte ich ja auch verhindern, dass der Mikroorganismus wächst, wenn z.B der Stoff, den ich haben will, nur durch Gärung produziert wird.

Dieses Paper (leider hinter Paywall) beschreibt einen ganz interessanten Trick, wie man beide Probleme umgehen kann. Und zwar wird in diesem Fall Hefe in einem Hydrogel eingebettet. Das Hydrogel selber wird dann mit einem 3D-Drucker in eine Form gebracht, die ermöglich, das die entstehenden Stoffwechselprodukte recht schnell abgeführt werden. Die Einbettung im Hydrogel selber verhindert das Umschalten ins Wachstum, da die Hefe wirklich eingebettet ist, was ihr Wachstum verhindert. Eine Übersicht über die Methode findet sich hier.

Das aktuelle Bierstudio – Ep. 7

Heute eine kleine Besonderheit, da ich Geburtstag habe. Deswegen soll es heute weniger um eine Brauerei und ein Bier gehen, sondern mehr um das Drumherum. Deswegen geht es heute um eine besondere Hefe, die jüngere Vergangenheit und ein historisches Ereignis, das zeigt, wie sehr Bier eine Gesellschaft beeinflussen kann.

Die Hefe von Denby et. al und weiteres von Spektrum:

Der Tag des deutschen Bieres

Der Batze-Bier Aufstand

Und wie sich Stickstoff im Bier verhält:

Kleines Erratum meinerseits: ich sagte vorhin “Stickstoff löst sich schlechter in Wasser als in Bier”, gemeint war aber “Stickstoff löst sich schlechter in Wasser als Kohlenstoffdioxid” m)
Sorry dafür.

Und noch das Video (original in Shaky-Cam).

Die nächste Folge kommt dann am 13.5.18.

Enjoy responsibly.

Science Sunday: Hefe-Hopfen? Teil 1

Ok, vorab: das ist schon ziemlich heiß, die Geschichte.

Darauf gestoßen bin ich über den Spektrum-Artikel, es wurde aber auch auf welt.de (leider mit nervigem Autoplay-Video) erwähnt. Der Original-Artikel findet sich bei Nature Communications.

Worum geht es dabei? In kurz: die Wissenschaftler um Charles M. Denby (UC Berkeley und weitere) haben zwei artfremde Gene in S. cerivisiae eingebracht, die dafür sorgen, dass die Hefe selbst Geraniol und Linalool produzieren kann. Diese Stoffe gehören zu den wichtigeren Geschmackskomponenten beim Hopfenaroma. D.h. dass es mit dieser Hefe möglich ist, Bier ohne die Zugabe von Hopfen zu produzieren.

Das scheint auch zu funktionieren, da Probanden bei Geschmackstests die mit dieser Hefe produzierten Biere als stärker gehopft einstuften als traditionell hergestellte Biere.

Ich habe den Artikel noch nicht komplett durchgelesen, werde ihn aber die Tage durcharbeiten, da ich das schon sehr interessant finde, nicht nur auf einem technischen Level, sondern auch die Implikationen, die das natürlich mit sich bringt. Werde das dann hier auch nochmal genauer vorstellen.

Wenn man mal von der Gentechnik-Debatte absieht, schreiben die Autoren, dass mit dieser Hefe kleinere Brauereien unabhängiger von Hopfen-Lieferungen (und deren Preis werden) und eine gewisse Nachhaltigkeit erreicht werden kann.

Puuuh…große Worte.

Ich vermute, dass es hierbei erstmal eine sehr große Rolle spielen wird, wie das Selbstverständnis der Brauereien ist. Gerade bei kleineren Brauereien, die ja auch stolz auf ihr Handwerk sind und ein Naturprodukt herstellen, kann ich mir vorstellen, dass es nicht gut ankommt. Aber da würde ich gerne erstmal mit Braumeistern sprechen.

Für mich wäre hier ein vorstellbares Szenario, dass die großen Brauereien hier dankbar aufspringen, da eine solche Hefe unabhängiger von Hopfen-Lieferungen macht und eine bessere Qualitätskontrolle ermöglicht. Insofern könnte sich die Hopfen-Produktion gesundschrumpfen und würde aber immer noch den kleineren Brauereien zur Verfügung stehen, die nicht mit Gentechnik arbeiten wollen.

Aber definitiv ein spannendes Thema.